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07.08.2010

Die Einkaufsprofis

Waren zu beschaffen wird in Zeiten des Aufschwungs noch wichtiger. Doch häufig fehlt es an qualifiziertem Nachwuchs.

von Eli Hamacher

Seine Karriere verdankt Josip Tomasevic nicht zuletzt einem Zufall. Nach dem Studium war der Maschinenbauingenieur bei einem Produzenten von Fertighäusern eingestiegen. Als dessen Chef keine Zeit mehr hatte, sich auch um den Einkauf zu kümmern, übertrug er die Aufgabe Tomasevic. "Der Appetit kam dann beim Essen", erinnert sich der gebürtige Kroate. Die Kontakte zu zahlreichen Abteilungen im Unternehmen, aber auch zu den weltweiten Lieferanten machten den Job extrem abwechslungsreich. "Jeder Tag ist anders." Mit Anfang 30 rückte Tomasevic dann zum Leiter der Zentralen Beschaffung beim Maschinenbauer Gildemeister auf, war dort verantwortlich für 76 Mitarbeiter. Vier Jahre später holte ihn der weltweit führende Landtechnik-Spezialist Claas als Leiter Konzerneinkauf nach Harsewinkel, wo Tomasevic unter anderem nach der Übernahme eines Traktorenbauers die Einkaufsorganisationen zusammenlegen sollte. Anders als bei vielen Mittelständlern war der Einkauf bei Claas bereits gut positioniert. In der Regel gilt jedoch: Je kleiner das Unternehmen, desto schlechter der Einkauf. "Bis zu einer Umsatzgröße von 100 Millionen Euro gelingt es den wenigsten, ihren Einkauf effizient aufzustellen", sagt Thorsten Makowski, Mitglied der Geschäftsführung der Berliner Einkaufsberatung Valueneer. In einer kürzlich durchgeführten Studie seines Hauses hätten nur 39 Prozent der befragten Einkaufsleiter angegeben, die optimale Anzahl an Mitarbeitern zu haben.

Es fehlt an Wertschätzung
Etwa ein Drittel habe unbesetzte Stellen im Einkauf, für die nicht genügend qualifizierte Mitarbeiter gefunden würden. "Früher galt: Wer nie Karriere machen wollte, ging in den Einkauf. Und wer seine Karriere beenden wollte ebenso", weiß Gerd Kerkhoff, Geschäftsführer der Kerkhoff Consulting GmbH. Es gäbe auch kaum Lehrstühle, die Einkäufer ausbilden würden. Grund für die geringe Wertschätzung sei, dass viele Firmen den Einkauf als reine Beschaffungsabteilung abwerten würden. Gerade in der Krise verschenken die Unternehmen damit aber wichtige Chancen. "Der Einkauf ist der wertvollste Kostenhebel, weil auf keine andere Art Einsparungen schneller realisiert werden können", weiß Berater Kerkhoff. Umso wichtiger wird es für die Unternehmen, ihre Einkaufsabteilungen effizient aufzustellen und mit Top-Leuten zu besetzen. "Die Nachfrage nach qualifizierten Einkäufern ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen, qualifizierter Nachwuchs wird knapp. Wir benötigen dringend das Fachwissen top-ausgebildeter Einkäufer, wenn die Konjunktur wieder merklich anzieht", sagt Holger Hildebrandt, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME), der sich dafür einsetzt, dass wie etwa beim Vertrieb oder im Marketing künftig mehr Hochschulen auch das Thema Einkauf in den Lehrplänen verankern. Die mangelhafte Ausbildung hat zumindest einen Vorteil: "Gute Leute können relativ schnell Karriere machen", weiß Tomasevic aus Erfahrung.

Wenn WMF, der international tätige Anbieter von Kaffeemaschinen, Kochgeschirr und Besteck, Einkäufer sucht, dann sind vor allem zwei Qualifikationen gefragt: Einkaufs- und Produktkompetenz. "Die Branche spielt keine wesentliche Rolle. Es ist vor allem wichtig, dass ein Einkäufer über ein hohes Know-how im Einkauf verfügt und sich in seiner Warengruppe und damit in den entsprechenden Märkten und Lieferanten auskennt", sagt Markus Frank, der als Director Corporate Purchasing bei WMF darüber wacht, bei wem, wann und zu welchen Konditionen geordert wird. Meist bringen die Einkäufer ein Betriebswirtschafts- oder Wirtschaftsstudium mit und haben sich schon in dieser Zeit spezialisiert. Zudem seien eine hohe Einsatzbereitschaft, große Flexibilität und Kommunikationsfähigkeit unerlässlich. Um die Mitarbeiter vom Bestellabwickler zum Einkaufsprofi zu befördern, organisiert das Unternehmen regelmäßig Schulungen mit Teamtrainings, aber auch Coachings. Neben fachlichem Know-how brauchen sie vor allem kommunikative Fähigkeiten. Frank: "Kommunikation ist ein wesentlicher Treiber für den Erfolg." Wenn die Entwicklungsabteilung nicht verstehe, was der Einkauf tue oder wie er arbeite, laufe es nicht. "Einkauf und Technik müssen sehr früh in neuen Ausschreibungsverfahren zusammen arbeiten", ist Kerkhoff überzeugt. Deshalb sollten Einkäufer ein gutes Grundverständnis für die zu beschaffenden Waren mitbringen.

Kommunikationstalente gesucht
Georg Sasse ist seit mittlerweile 25 Jahren strategischer Einkaufsleiter bei der Maschinenfabrik Bernard Krone. Wenn er einen neuen Mitarbeiter einstellt, gehört zu seinen Standardfragen, in welcher Position er sich gegenüber den Lieferanten fühle. "Wenn er sich stärker fühlt, dann ist er nicht teamfähig und ungeeignet", sagt Sasse. Entscheidend sei, dass beide Seiten auf Augenhöhe verhandelten. In vielen Unternehmen gibt es inzwischen ausgefeilte Weiterbildungsprogramme - mit gutem Grund. Sasse: "Die Bedeutung des Einkaufs wird noch deutlich zunehmen, da die Unternehmen im Zuge des Outsourcings von Kernkompetenzen immer mehr zukaufen werden."

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